In der Verkehrszentrale Südwest der bundeseigenen Autobahn GmbH in Stuttgart-Feuerbach beobachten Marion Mayer-Kreitz und die Operatoren der Frühschicht Dutzende Bildschirme, auf denen Herbstnieselregen auf den Autobahnen Baden-Württembergs zu sehen ist. Die Niederlassung ist für 1.050 Kilometer Autobahn zuständig. Rund ein Viertel davon, etwa 250 Kilometer vor allem rund um Stuttgart und auf der Albhochfläche, lässt sich mit temporären Geschwindigkeitsbegrenzungen, Warnungen vor Nebel oder Schleudergefahr sowie mit der Freigabe des Seitenstreifens steuern. Bis die Polizei an einer Unfallstelle eintrifft, können die Operatoren auch Ansprechpartner für die Rettungsdienste sein.
Während einer Frühschicht bestätigte ein Teammitglied gemeinsam mit der Polizei die Schleudergefahr durch nasse Fahrbahnen in Ulm und stellte die digitalen Anzeigen auf der A8 auf 80 km/h. Hinter Karlsruhe staute sich der Verkehr in Richtung Pforzheim, Blaulicht blinkte, und die Polizei war an einer offenbar unfallbedingten Stelle vor Ort. Mayer-Kreitz, Leiterin der Verkehrszentrale, beobachtete außerdem eine Krähe im Messetunnel und urteilte, das Tier könne bleiben, solange es den fließenden Verkehr nicht störe.
Von Stuttgart aus werden zwölf Autobahntunnel sowie neun weitere an Bundes- und Landesstraßen überwacht, sofern sie länger als 400 Meter sind. Der Engelbergtunnel auf der A81 zwischen Ludwigsburg und dem Leonberger Dreieck wird von bis zu 140.000 Fahrzeugen am Tag befahren, ist seit mehreren Jahren eine Baustelle und immer wieder Unfallort.
Am 3. März begann ein schwerer Brand mit einem brennenden Reifen an einem mit Kühlschränken beladenen Sattelauflieger. Der Fahrer bemerkte das Feuer kurz nach der Einfahrt, hielt an, und schließlich fing der gesamte Auflieger Feuer. Dichter Rauch versperrte rasch die Sicht der Menschen im Tunnel und des Personals an den Monitoren. Ein hinter der Stelle feststeckender Lkw-Fahrer sagte später gegenüber Regio TV, er habe um sein Leben gefürchtet und sich in einer Sprachnachricht bereits von seiner Familie verabschiedet. Mehrere Menschen wurden verletzt, der Rettungsdienst versorgte 30 Personen, getötet wurde niemand. Die Sicherheitstechnik wurde auf mehreren hundert Metern zerstört, und die Weströhre blieb wochenlang gesperrt.
Mayer-Kreitz sagte, ihre Kolleginnen und Kollegen hätten sehr schnell und richtig gehandelt: Der Tunnel sei gesperrt und die Menschen zum richtigen Zeitpunkt per Durchsage gewarnt worden. Die Direktorin der Niederlassung Südwest, Christine Baur-Fewson, die das Video gesehen hatte, sagte, sie sei schockiert gewesen, dass bereits Rauch aus dem Tunnel austrat, während noch Fahrer hineinfuhren.
Der Verkehr läuft inzwischen wieder in beide Richtungen, doch der Tunnel bleibt ein Nadelöhr. Ende September überschlug sich eine 45 Jahre alte Person, nachdem sie zunächst ein anderes Fahrzeug und dann die Tunnelwand gestreift hatte. Als Ursache wurde ein Sekundenschlaf vermutet; Zeugen sagten, die fahrende Person sei bereits vor dem Tunnel schnell und rücksichtslos unterwegs gewesen. Die Autobahn wurde voll gesperrt, der Stau erreichte 10 Kilometer, und die Verzögerung betrug etwa eine Stunde. Die Verkehrszentrale riet Fahrenden am Autobahnkreuz Weinsberg, die in Richtung Ulm und München unterwegs waren, nach Möglichkeit die A7 zu nutzen.
Das offizielle Verkehrssicherheitsziel Deutschlands ist Vision Zero, also keine Verkehrstoten. Das Statistische Bundesamt verzeichnete im vergangenen Jahr 2.832 Verkehrstote, darunter 292 auf Autobahnen. Mayer-Kreitz sagt, eine Begrenzung auf 80 km/h nutze die Kapazität der Autobahn am besten, weil weniger gebremst und beschleunigt werde und die Fahrzeuge dichter hintereinander fahren könnten.